Neue Veröffentlichung: Nachdenken über Faschismus
Welche Begriffe brauchen wir, um unsere Gegenwart angemessen zu beschreiben? Diese Frage steht im Zentrum des HfGG-Working Papers von Uta von Winterfeld.
Mit „Nachdenken über Faschismus. Annäherungen an den Begriff, theoretische Orientierungen und analytische Versuche“ ist in unserer Working-Paper-Reihe ein neuer Beitrag erschienen, der sich einer ebenso schwierigen wie drängenden Aufgabe widmet: Faschistische Tendenzen der Gegenwart zu verstehen, ohne vorschnelle Gewissheiten zu produzieren.
Denn Faschismus zu erkennen und zu benennen, ist heute nicht einfach. Der Begriff ist umstritten, historisch belastet und zugleich für das Verständnis aktueller Entwicklungen vielfach unverzichtbar. Genau dieser Spannung geht Uta von Winterfeld nach. Sie fragt, welche gesellschaftlichen Bedingungen faschistische Tendenzen begünstigen, wie faschistische Agitation funktioniert und welche Rolle Sprache, Feindbilder und gesellschaftliches Unbehagen dabei spielen.
Ausgangspunkt des Beitrags sind Seminare zu „Populismus und Demokratie“, die Uta im Rahmen ihrer Lehre an der HfGG anbietet. Dort wurde deutlich: Gesellschaftliche Gestaltung braucht das Verstehen. Erst aus der Analyse heraus lassen sich Möglichkeiten der Gestaltung ausloten. Das Working Paper versteht sich deshalb nicht als Abschluss einer Debatte, sondern als Einladung zum Weiterdenken und Weiterarbeiten.
Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit den Studien zur faschistischen Agitation von Leo Löwenthal. Deren Analysen helfen dabei, gegenwärtige Entwicklungen einzuordnen und den Blick für autoritäre Bewegungen zu schärfen. Zugleich richtet das Paper den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Krisen – von Demokratie und sozialem Zusammenhalt über ökologische Regenerationsfähigkeit und Frieden bis hin zur Frage nach Sinn und Orientierung.
Eine zentrale Einsicht des Textes lautet: Faschismus kommt nicht von außen. Er entsteht aus Gesellschaften heraus. Wer ihn verstehen will, muss deshalb auch die gesellschaftlichen Bedingungen betrachten, unter denen Menschen sich ohnmächtig, nicht gehört oder orientierungslos fühlen.
An der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung verstehen wir Wissenschaft als Ort der Reflexion – und als Voraussetzung gesellschaftlicher Gestaltung. Fragen aus der Welt werden wissenschaftlich vertieft und in der Werkstatt gesellschaftlicher Praxis weiterentwickelt. Utas Paper lädt dazu ein, Begriffe zu schärfen, Widersprüche auszuhalten und gemeinsam über die Herausforderungen unserer Zeit nachzudenken. Denn Gesellschaftsgestaltung beginnt mit der Frage, wie wir unsere Gegenwart verstehen.
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Uta von Winterfeld ist habilitierte Politikwissenschaftlerin, arbeitete als Projektleiterin am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie und ist Professorin im Ruhestand für Politische Ökologie (Universität Kassel). Sie arbeitet zu gesellschaftlichen Naturverhältnissen, Geschlechterverhältnissen und Nachhaltigkeit sowie zu nachhaltigen Transformationsprozessen.
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