Bildung wahrscheinlicher machen:
Neues HfGG-Präsidium feierlich im Amt
Mit einem Eröffnungsvortrag von Präsident Prof. Dr. Lars Hochmann, einem offenen Podium und Gesprächen im Lichthof ist das neue Präsidium der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung (HfGG) offiziell in seine Amtszeit gestartet. Im Mittelpunkt des Abends stand eine Frage, die für die HfGG programmatisch ist: Wie können Räume, Strukturen und Menschen Bildung ermöglichen, die zur Gestaltung von Gesellschaft und des eigenen Selbst befähigt?
Ein Abend zum Antritt eines neuen Präsidiums könnte leicht bei Formalitäten bleiben. An der HfGG begann er anders: mit einer Einladung, den Raum selbst zu verändern.
In seinem Eröffnungsvortrag „Wie Bildung gelingt“ beschrieb Hochschulpräsident Prof. Dr. Lars Hochmann die HfGG als Reallabor, in dem nicht einfach nur Wissen vermittelt, sondern die Möglichkeit von Bildung als Veränderung von Selbst und Welt gemeinsam wahrscheinlicher gemacht wird. Dafür stellte er in seinem Vortrag zentrale Aspekte zur Diskussion – von beweglichen Bildungsräumen und echter Wahlfreiheit über die Bedeutung von Gespräch, Muße und präziser Sprache bis hin zu studentischer Mitgestaltung, gesellschaftlicher Verantwortung und der Bereitschaft, Krisen auszuhalten.
Immer wieder ging es um die Frage, welche Bedingungen Menschen brauchen, um selbst tätig zu werden, eigene Fragen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. „Herstellen lässt sich Bildung von niemandem – ermöglichen lässt sie sich von allen“, so Hochmann. Bildung gelinge dort, wo Menschen einander zutrauen, dass aus ihnen mehr werden kann, als sie selbst zu glauben gelernt haben. Besonders deutlich wurde dabei der Zusammenhang der drei Perspektiven, die die HfGG prägen: Welt, Wissenschaft und Werkstatt. Wissenschaft schafft Räume für genaues Denken und die kritische Prüfung eigener Begriffe. Die Werkstatt steht für das tätige Erproben, bei dem etwas entstehen und auch einmal schiefgehen darf. Und die Welt bringt die konkreten Fragen und Herausforderungen ein, an denen sich Bildung bewähren muss.
Nach einem Imbiss wurde dieses Verständnis dann praktisch: Die Stühle wurden umgestellt, der Raum für ein offenes Podium geöffnet und der Abend mit einem Fishbowl-Gespräch fortgesetzt, moderiert von Prof. Viola Gerlach. Beteiligt waren neben Hochmann das neue Präsidium mit Kanzler Heiko Miedlich, den Vizepräsident:innen Daniela Gottschlich und Stephan Panther sowie Ante Leuthoff (Studierende im Präsidium). Dazu kamen weitere Studierende und Gäste aus dem Publikum, die ihre Perspektiven und Fragen einbrachten.
Die Präsidiumsmitglieder berichteten von ihrem Weg an die HfGG und ihrer Zusammenarbeit. Besonders die studentische Beteiligung im Präsidium wurde als wichtige Ergänzung zur Arbeit des Senats hervorgehoben: Studierende bringen ihre Perspektive unmittelbar in zentrale Fragen der Hochschulentwicklung ein – etwa, wenn es um Personal, Finanzen oder strategische Entscheidungen geht. Damit wird Demokratie an der HfGG nicht nur zum Gegenstand von Seminaren und Diskussionen, sondern Teil des institutionellen Alltags. Oder, wie es in Hochmanns Vortrag hieß: „Demokratie lernt man in demokratischen Verhältnissen.“
Auch die Frage nach Zeit und Vertiefung spielte eine Rolle. Im Gespräch wurde das Potenzial von Blockveranstaltungen diskutiert, die es ermöglichen, sich über längere Zeit konzentriert mit einem Thema auseinanderzusetzen. Muße, so Hochmann in seinem Vortrag, ist dabei kein Luxus und keine Pause vom eigentlichen Lernen, sondern kann selbst eine Voraussetzung dafür sein, dass neue Gedanken entstehen.
Vizepräsidentin Prof. Dr. Daniela Gottschlich richtete den Blick auf einen Aspekt, der für ihr Verständnis der HfGG zentral ist: die Verbindung von wissenschaftlicher Arbeit, Lehre und konkreter gesellschaftlicher Praxis. „Was mich an der HfGG besonders begeistert, ist, dass die Themen unserer Forschung und Lehre in engem Zusammenhang zu ihrer Umsetzung stehen. Wir können sie an der Hochschule selbst erproben, weiterentwickeln und miteinander verknüpfen – und zugleich mit Partner:innen aus der Praxis daran arbeiten, wie Gesellschaft gestaltet werden kann.“ Hier wird deutlich: An der HfGG soll die Hochschule selbst zum Ort des Erprobens werden: Sie untersucht ihre eigenen Strukturen, entwickelt neue Formen des Lernens und arbeitet zugleich mit Menschen und Organisationen außerhalb der Hochschule an konkreten gesellschaftlichen Fragen.
Nach dem offiziellen Teil blieb Zeit für Gespräche: Studierende, Lehrende, Mitarbeitende, Kooperationspartner und Gäste kamen miteinander ins Gespräch und ließen den Abend gemeinsam ausklingen. Der Auftakt des neuen Präsidiums war damit zugleich ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die kommende Amtszeit prägen soll: eine Hochschule, die ihre eigenen Ansprüche immer wieder an der eigenen Praxis überprüft, die Verantwortung teilt und Bildung als gemeinsames Werk versteht. Oder in den Worten von Lars Hochmann: „Das Große wird im Kleinen, das Ideal in der Praxis entschieden. Das ist keine Vertröstung. Das ist eine Arbeitsanweisung – zuallererst an uns selbst.“
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